
Das Wort Kata an sich steht für "festgelegte Form".
Kata ist die stilisierte Form eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner.
"Ursprünglich wurde in Karate nur Kata trainiert - von morgens bis abends. Jede Trainingsstunde begann mit Kataübungen und bis zur Perfektion einer Kata vergingen zwischen drei und fünf Jahre", antwortete Masatomo Takagi (Managing Dirctor der JKA - Japan Karate Association) einem Reporter in den frühen 60er Jahren.
Takagi war noch ein Schüler von Gichin Funakoshi, dem Begründer des in Europa populärsten Karatestils: dem Shotokan-Karate.
Erst später wurden von Funakoshi in Zusammenarbeit mit anderen großen Persönlichkeiten aus Judo und anderen Karatestilen erste Partnerübungen erarbeitet, bei denen Angriffe und Gegenangriffe genau festgelegt werden (Yakusoku-Kumite).
Die ersten Freikampfmeisterschaften fanden erst 1957 statt. Kumite (= Kampf) ist also eher ein neuer Aspekt des Sportkarate.
Kata gibt es nicht nur im Karate oder anderen Budokünsten (Budo= der Überbegriff für alle japanischen Kampfkunstmethoden), sondern in allen traditionellen japanischen Künsten. Mit den Katas wurden diese Künste über Generationen weitergegeben.
Kata ist geeignet, Beherrschung der Technik und die innere haltung im Besonderen zu schulen:
Atmung, Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist, Rhythmus.
Katas sind ideal als Ganzkörpertraining geeignet, weil in ihnen alle Techniken des Karate in exakt festgelegter Abfolge und präzise definierter Ausführung vorkommen.
Das intensive Auseinandersetzen mit Katas fördert Harmonie und Rhythmus in den kraftvoll ausgeführten Techniken. Der Trainierende gelangt zu innerer Gelassenheit und durch die zunehmende Sicherheit zu einem Mehr an persönlicher Ausstrahlung. Auch Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit erfahren eine deutliche Steigerung.
In allen Karatestilen gibt es insgesamt etwa 70 Katas (27 davon sind Shotokan-Katas). Einige wurden schon über Generationen hinweg überliefert und andere wiederum sind relativ neu.
Merkmale:
- Jede Technik und jede Bewegung einer Kata ist in Reihenfolge und Richtung genau festgelegt.
- Jede Kata beginnt mit einer Abwehrtechnik. Das soll den defensiven Charakter dieser Kampfkunst unterstreichen.
- Jede Kata beginnt und endet an demselben Punkt.
- Jede Kata läuft nach einem ganz bestimmten Schrittdiagramm ab (jap.: Embusen).
- Jede Technik und Bewegung der Kata, ob Angriffs- oder Blocktechnik, muss in ihrer Bedeutung klar verstanden sein und so zunnächst bewusst und später unbewusst ausgeführt werden.
Bunkai bedeutet die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der Kata mit einem Partner zu üben, denn nur verstandene Techniken erwecken die Kata zum Leben - auch Kata ist Kampf!
Diese Bewustheit beim Vorführen einer Kata erstreckt sich auch darauf, dass jede Technik gezielt ausgeführt wird, dass man die imaginären Gegner und ihre Angriffe ganz bewusst "sieht" und entsprechend reagiert. Diese Bewusstheit, diesen Wachheitszustand bezeichnet der Japaner als Zanshin.
Zanshin ist in allen Kampfkünsten von großer Bedeutung. Besonders am Schluss einer Kata, wo man mit dieser Zanshin noch einige Sekunden nach der letzten Technik verweilt und erst dann, wenn kein weiterer "Angriff" mehr folgt, langsam und ruhig wieder die Grundstellung einnimmt und sich dabei vollkommen entspannt - äußerlich die Muskeln und innerlich den Geist.
Hinweis zu unserer Quellenangabe: In diesem sehr verständlich aufbereiteten Standardwerk für derzeitige und werdende Karatekas findet ihr alles Wissenswerte rund um Karate, Schwerpunkt Kata.
Quelle: Pflüger, Albrecht. 27 Shotokan Katas, Falken Verlag 2002
empfohlen vom Deutschen Karate Verband e.V.