
Der Name Karate, vollständiger Karate-Do, übersetzt man heute
"Der Weg der leeren Hand".
Das war nicht immer so: Bis in die 1930ger Jahre hinein meinte dasselbe Wort in Japan einfach nur "China-Hand" oder "Methode aus China" als Hinweis auf die Herkunft dieser Kampfkunst. Aus politischen Gründen des aufkommenden Nationalismus in Japan, ändert man nicht das Wort, sehr wohl jedoch die Schriftzeichen hinter dem Klanglaut in die obige Bedeutung um.
Der Legende nach erreichte der buddhistische Mönch Daruma Taishi, von Südindien kommend, im 6. Jahrhundert das Kloster Shaolin. Er begründete dort den Chan=Zen-Buddhismus und unterwies die Mönche in Übungen zur körperlichen Ertüchtigung, damit diese die anstrengenden Meditationsweisen überhaupt aushielten.
So soll das Shaolin-Kungfu (jap. Kempo) entstanden sein, aus dem sich dann die über 600 Stile der chinesischen Kampfkunst (Wushu= Anstrengung, Bemühung) entwickelte.
Historisch greifbar wird die China-Hand dann auf Okinawa im 14. Jahrhundert unserer Rechnung: Okinawa, damals Zentrum eines unabhängigen Königreiches, fungierte für den gesamten asiatischen Raum – heutiges China, Japan, Korea, Mongolei – als Hauptumschlagsplatz des Handels. So etwas weckt Begehrlichkeiten: Ständige Unruhen und Aufstände schürten ein begleitendes Bedürfnis nach Selbstverteidigung. Als 1416 das Inselreich unter König Sho Shin, verstärkt noch im frühen 17. Jahrhundert, als der Clan der Shimazu sich zu Herren Okinawas aufschwangen, verschmolz die China-Hand mit einheimischen Kampfmethoden, dem Todé. Denn die neuen Herren verboten aus Furcht vor Aufruhr jedes bürgerliche und bäuerliche Waffentragen, erlaubten jedoch durchaus ihren Kriegern, den Samurai, mit der Bevölkerung nach Belieben zu verfahren.
Dies führte einerseits zum Kobudo, der Umwandlung bäuerlichen Alltagsgerätes zu hocheffizienten Waffen (Tonfa = Wirbelstock, heute bei der Polizei üblich, war einst der Griff der Schrotmühle/ Sai = Pflanzgerät, um die Reisschösslinge zu setzen/ Nunchaku = Dreschflegel für das Reisstroh). Häufig übernahmen allerdings die Samurai diese Waffen bzw. konterten sie durch ebenfalls phantasievolle Alltagsdinge aus: Fächer mit Eisenspitzen, Haarnadeln, Zaumzeug-Ketten (Manriki-Kusari)…alles konnte und wurde eingesetzt.
Zum anderen ging die waffenlose Selbstverteidigung quasi in den Untergrund: das Überliefern und Trainieren dieser Systeme geschah schriftlos durch spezielle Bewegungsformen, die sich wiederum an bestehende zeremonielle Tanzfolgen anlehnten, zur Tarnung vor Spionen, und auch das Üben in stilisierter Form betrieben. So konnte die Gefährlichkeit dieser Techniken nicht entdeckt werden – die Kata war erfunden!
Ende des 19. Jahrhunderts war Karate nur (was heißt eigentlich "nur"?), zur reinen Körperertüchtigung für Schulkinder geworden, als mehrere Auswanderungswellen von Okinawa nach Hawai erstmals Amerikaner auf Karate aufmerksam machte (USA hatte 1898 Hawai annektiert).
Parallel dazu entwickelte ein Lehrer, Gichin Funakoshi, das moderne Sportkarate als eine Möglichkeit der Charakterbildung und führte sein System dem Tenno, dem japanischen Kaiser, vor. Der war begeistert und Karate wurde als einzige Kunst aus nichtadligem Ursprung in den Kanon des Bushido, der Künste des Kriegers, aufgenommen. Die Popularisierungswirkung war enorm. 1924 Gründete Funakoshi das erste Karate-Dojo, nachdem er 1922 schon das erste Lehrbuch des Karate veröffentlicht hatte. An den Universitäten fand er begeisterte Eleven.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Japans durch die Amerikaner, wurden die amerikanischen Medien und damit die amerikanische Öffentlichkeit bald auf die schlagzeilenträchige "tödliche" Kampfkunst aufmerksam. Hier wurde auch der Impuls gesetzt, Karate zu einem Wettkampfsport, zu einem Duell Mann gegen Mann (Frauen durften offiziell erst ab den 1970ger Jahren kämpfen!), zu entwickeln.
1954 gründete Henry Plee in Paris das erste europäische Budo-Dojo. Von dort brachte der Judoka Jürgen Seydel es nach Deutschland mit; er organisierte Karate-Lehrgänge und konnte diesen Sport als Unterabteilung des Judo-Verbandes bei uns etablieren.
1961 gründete sich der erste Verband der wachsende Schar von Karateka; in den 1970ger/ 1980ger Jahren fanden sich die größten Verbände zum heutigen Dachverband dem "Deutschen Karate Verband (DKV)" zusammen.